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Aus der Praxis

Der Aspekt der Nachhaltigkeit ist uns allen im Team sehr wichtig.

Interview mit Nora Etzold und Moritz Otto. Die JUNIOR expert Schülerfirma „GarnFabrik“ der Internatsschule Schloss Hansenberg stellt individuell gestaltbare Stofftaschen und weitere Textilprodukte wie Kissen für den Autogurt her.

Das Gespräch wurde vom RKW Kompetenzzentrum durchgeführt.

Wie seid ihr auf die Geschäftsidee gekommen?

Moritz: Wir hatten am Anfang des JUNIOR-Jahresprojekts in unserer Schule eine intensive Brainstorming-Session, wo alle möglichen Ideen aufgelistet wurden. Die Entscheidung, etwas zu machen, was unseren Werten entspricht – also in ökologischer Hinsicht nachhaltig ist – wurde rasch getroffen.

Nora: Genau. Dann haben wir darauf geachtet, was am besten zu uns passt und welche Fähigkeiten jedes Teammitglied mitbringt. Es gab z.B. einige im Team die vorher schon relativ viel mit Stoffen gearbeitet haben und verschiedene Sachen genäht haben. Hannah ist im Spray-Painting sehr gewandt. Das hat perfekt zusammengepasst.

Wie wird der Aspekt der ökologischen Nachhaltigkeit realisiert?

Nora: Durch Upcycling. Den Stoff kriegen wir gespendet. Wir verwenden ausschließlich etwas, was seinen Dienst getan hat und sonst z.B. im Koffer auf dem Dachboden verstauben würde.

Moritz: Auch ökonomisch gesehen ist das ein Riesenplus, weil wir so kaum Kosten beim Einkauf haben.

Nora: Ja. Nur für Kleinteile wie Nadeln, Garn und Farbe müssen wir etwas Geld ausgeben. Wir benutzen Farbe auf Wasserbasis, die nachhaltig ist und unserem Konzept entspricht. Das ist ganz praktisch, wir kaufen günstige Restbestände. Der Aspekt der Nachhaltigkeit ist uns allen im Team sehr wichtig. Ich habe gelernt, dass es ganz elementar ist, an den eigenen Werten und Vorstellungen festzuhalten und die Vision nicht aus den Augen zu verlieren oder aufzugeben.

Ihr hattet einen Termin mit dem Bürgermeister von Geisenheim. Wie war das?

Moritz: Das war sehr cool – „Wow, wir Schüler kriegen einen Termin mit dem Bürgermeister“. Eine sehr prägende Erfahrung. Das erste Mal im Anzug, ein erster offizieller Termin für unsere Schülerfirma. Wir haben uns gut vorbereitet, ihm unser Geschäftskonzept vorgestellt und konnten ihn sogar als Anteilseigner gewinnen.

Bei insgesamt 13 Teammitgliedern – wie organisiert ihr die Zusammenarbeit?

Moritz: Die Unternehmensstruktur hat sich kontinuierlich entwickelt. Schon zu Beginn haben wir unterschiedliche Bereiche gebildet. Die Leute, die gut mit Nähmaschinen umgehen können, sind in die Produktion gekommen. Wer schon Vorkenntnisse für das Schreiben eines Businessplans hatte, ist ins Organisationsteam gekommen. Bei den Finanzen war es analog.

Nora: Die einzelnen Bereiche arbeiten relativ autonom, sind aber in engem Kontakt miteinander. Wir treffen uns ein Mal jede Woche zur Projektbesprechung, damit alles als ein großes Ganzes funktioniert. Das beste Beispiel dafür ist die Produktion, die ich organisiere. Da weiß ich genau, wie viele Personen ich zur Verfügung habe und kann direkt Aufgaben zuteilen. Genauso funktioniert es auch in den anderen Bereichen. Momentan sind wir dabei, uns umzustrukturieren. Am Anfang hatten wir zwei Drittel der Leute in der Fertigung. Das nimmt jetzt aber ab, weil wir den Fokus mehr in Richtung Marketing verschieben.

Was waren die Gründe dafür, bei der Schülerfirma mitzumachen?

Nora: Ich fand total interessant, dass JUNIOR expert ein Schülerprojekt ist, bei dem man in der Praxis etwas wirklich herstellt und tatsächlich verkauft. Und ich habe mir gedacht, dass man dabei wirklich extrem viel mitnehmen kann. Man erlernt und vertieft wirtschaftliches Wissen, aber auch soziale Fähigkeiten. Viele aus unserem Team reizt auch der Wettbewerbsaspekt. Wir bewerben uns beim Landeswettbewerb Hessen oder z.B. beim europäischen Businessplanwettbewerb „SFF – Skills for the Future“ und bei einem Wissenstest, genannt „ESP“, alles im Rahmen des Junior-Jahresprojekts. Man strengt sich an, um etwas zu erreichen, und kann direkt den Erfolg sehen.

Moritz: Ich kann mich da komplett anschließen. Ein weiterer Aspekt war, das Berufsleben zu erfahren.

Habt ihr durch den Wettbewerb mehr zum Thema Wirtschaft gelernt?

Moritz: Ich würde eher sagen „anders“. Wir konnten uns durch den Perspektivwechsel die Sachverhalte auf andere Weise erschließen. Wenn man nicht von außen auf ein Unternehmen sieht, sondern ein Teil davon ist, werden Zusammenhänge klarer.

Nora: Ich möchte noch einmal dieses „anders“ unterstreichen. Im Unterricht lerne ich, wie das große Ganze funktioniert. Unsere Schülerfirma ist ein kleiner Auszug aus diesem großen Wirtschaftssystem. Aber diesen Ausschnitt behandelt man so ausführlich, dass einem ganz andere Problemstellungen und Strukturen klar werden, weil man in dem Unternehmen drinsteckt. Deswegen ist dieses „anders“ für mich ganz wichtig. Anders im Sinne von „Wir machen das selber!“ Und das ist eine klasse Erfahrung.

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