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Aus der Praxis

Am Anfang des Jahres können die Teams Referate halten, am Ende des Jahres können sie Präsentationen halten

Marco Vietinghoff hat als Schüler selbst am business@school-Wettbewerb teilgenommen. Nun unterstützt er die Schülerteams seiner ehemaligen Schule als Teamcoach. Was seine Aufgaben als Coach sind und warum sich das für ihn lohnt, erklärt er im Interview.

Das Gespräch wurde vom RKW Kompetenzzentrum durchgeführt.

© Bildkraftwerk/Christoph Schmidt

Herr Vietinghoff, Sie haben vor Kurzem als Coach die Schülerfirma „GrasSwipe“ unterstützt, was ist die Geschäftsidee des Teams?

Die Geschäftsidee war nachhaltiges Toilettenpapier, hergestellt aus Gras. Durch den regionalen Anbau des schnell nachwachsenden Rohstoffes „Gras“ sowie durch das Herstellungsverfahren hat dieses Papier eine wesentlich bessere Ökobilanz als konventionelles Frischfaser- und Recyclingtoilettenpapier.

Welche Aufgaben hat Ihre Rolle als Teamcoach umfasst?

Als Coach muss ich einerseits vermitteln, worauf es in dem Wettbewerb ankommt. Das gilt sowohl für die Arbeitsweise des Teams als auch für das Ergebnis, nämlich die Präsentation vor der Expertenjury mit anschließender Fragerunde. Andererseits gebe ich den Teams Feedback zu ihren Zwischenständen, weise auf Verbesserungsmöglichkeiten hin und fungiere in manchen Phasen des Wettbewerbs als Motivator. Längerfristig beobachte ich von Jahr zu Jahr, was der Jury wichtig ist, welche Dinge gut oder schlecht ankommen, um diese Erkenntnisse an künftige Teams weiterzugeben.

Gab es etwas, das Sie als Coach besonders gefordert hat? Wie konnten Sie die Herausforderung meistern?

Bei fast allen business@school-Teams gibt es im ersten Drittel des Jahres das Phänomen, dass unfertige Zwischenstände den Coaches nicht gezeigt werden und man als Coach dann über längere Zeit von dem Team nichts hört oder sieht. Oft wollen die Teams zunächst so lange daran arbeiten, bis es aus ihrer Sicht perfekt ist. Das war bei mir, als ich an dem Wettbewerb teilgenommen habe, genauso. Allerdings kann man als Coach auch zu unfertigen Folien schon einige Hinweise geben, mit denen das Team dann schneller und zielgerichteter weiterarbeiten kann. Diese Angewohnheit lässt sich meist nicht von heute auf morgen ändern. Ich weise die Teams einfach immer wieder darauf hin und versuche, ihnen den Eindruck zu geben, dass ich sie angesichts eines unvollkommenen Arbeitsstandes schon nicht für dumm halten werde. Spätestens ab der zweiten Hälfte des Jahres hat sich dieses Phänomen dann in der Regel erledigt.

GrasSwipe“ hat dieses Jahr den business@school-Wettbewerb gewonnen. Was war aus Ihrer Sicht der Schlüssel für den Erfolg?

Der Sieg im Finale lässt sich auf zwei Weisen begründen. Zum einen war da eine überragende Präsentation: Alle Teile des Businessplans waren sehr detailliert ausgearbeitet. Für jeden Schritt in der Wertschöpfungskette konnte das Team einen realen Kooperationspartner vorweisen, mit dem es in Kontakt getreten war, die Konditionen der Kooperation ausgehandelt und die Kooperationsbereitschaft schriftlich bestätigt bekommen hatte. Ein besonderes Highlight war die große Fülle der Handelsunternehmen, die bereit waren, das GrasSwipe-Toilettenpapier in ihr Sortiment aufzunehmen. Weitere Besonderheiten wie der Prototyp oder bereits in Betrieb genommene Social-Media-Auftritte haben ebenfalls zu einem guten Gesamteindruck beigetragen, ebenso wie die hervorragende Geschäftsidee. Letztendlich hat sich das Team beim Bundesfinale glänzend präsentiert und konnte selbst die kritischsten Juryfragen mit großer Souveränität beantworten.

Zum anderen konnte eine solche Präsentation aber nur entstehen, weil das Team jederzeit bereit war, noch einen Schritt weiter zu gehen. Bereits einige Wochen vor dem schulinternen Finale hatte die Präsentation ein starkes Niveau erreicht. Wichtig war es dann, auch weiterhin in der Vorbereitung auf das regionale Finale in NRW und das Bundesfinale nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen.

Konnten Sie Lerneffekte bei den Schülern beobachten?

business@school zeichnet sich dadurch aus, dass die Teams in sehr vielen unterschiedlichen Teildisziplinen möglichst Perfektion erreichen müssen. Zu diesen gehören unter anderem: Selbstorganisation im Team, Zeitmanagement, Analysefähigkeiten, Kreativität, Vortragsstil, Foliendesign, Recherche, ein gewisses BWL-Grundlagenwissen und die Souveränität in Fragerunden als Königsdisziplin. All das macht den Wettbewerb sehr herausfordernd, aber auch sehr spannend.

Beim Team „GrasSwipe“ habe ich in allen genannten Teildisziplinen große Fortschritte festgestellt. Besonders stark ausgeprägt war die Weiterentwicklung der Fähigkeit, Fragen der Jurys sicher zu beantworten. Allgemein ist der Unterschied zwischen dem Beginn des Wettbewerbsjahres und seinem Abschluss in jedem Jahr und bei jedem Team gewaltig. Am Anfang des Jahres können die Teams Referate halten, am Ende des Jahres können sie Präsentationen halten. Es macht immer wieder aufs Neue Spaß, das beobachten zu dürfen.

Konnten Sie durch das Coaching auch etwas (von den Schülern) lernen?

Seit ich in diesem Wettbewerb Teams betreue, habe ich meine Coaching-Aktivität mit jedem Jahr weiterentwickelt. Auf der einen Seite habe ich mit der Zeit ein immer klareres Bild davon, wie eine Präsentation aussehen muss, damit sie erfolgreich ist. Auf der anderen Seite habe ich den Stil und die Methode des Coachings immer wieder etwas modifiziert. Das betrifft zum Beispiel die Häufigkeit und Dauer von Teamtreffen oder die Frage, an welchen Stellen ich etwas intensiver unterstütze und wo ich mich besser heraushalte. Trotz immer konkreteren Vorstellungen von einem Masterplan lerne ich von meinen Teams, dass es mehr als nur einen Weg zum Erfolg gibt. Und nebenbei habe ich die Möglichkeit, mich jedes Jahr in drei neue Themen hineindenken zu dürfen. Ohne diesen Anlass wäre ich zum Beispiel nie auf die Idee gekommen, mich mit dem Toilettenpapiermarkt auseinanderzusetzen.

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