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Aus der Praxis

In dem Moment, wo wir emotional beteiligt sind, lernen wir am meisten.

Interview mit Dr. Susanne Nowak, Lehrerin für Deutsch und Sport an der CJD Christophorusschule in Königswinter. Hier engagiert sie sich für mehr Unternehmergeist ihrer Schülerinnen und Schüler. Dazu gehört auch ihre Mitarbeit ihrer Schule im Arbeitskreis SchuleWirtschaft Bonn, dessen Leiterin sie ist.

Frau Nowak, auch Sie wollen Unternehmergeist bei Ihren Schülerinnen und Schülern entwickeln? Was ist das für Sie: Unternehmergeist?

Nowak: Ich nehme das Wort Unternehmergeist jetzt einfach mal wörtlich: etwas unternehmen, etwas bewerkstelligen, etwas vielleicht kreieren. Und das tue ich, um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen. Ich kann in allen möglichen Feldern etwas unternehmen und auch lernen und merken, dass sich etwas an mir verändert, dass ich etwas lerne und etwas bewerkstelligen und bewirken kann.

Haben Sie ein Beispiel dafür, wie Schülerinnen und Schüler erleben können, dass sie sich weiter entwickelt und dass sie etwas bewerkstelligt haben?

Nowak: Ja, das kann man daran merken, zum Beispiel wenn konkret Unterrichtsprojekte mal vor einem anderen Publikum präsentiert werden als immer nur im geschlossenen Klassenraum, wie dann die Schüler plötzlich in der Lage sind, Dinge zu präsentieren, wie sie sich kleiden, wie sie sprechen, wie sie auftreten. Und das empfinden Schüler auch als tolle Chance, sich da weiterzuentwickeln und auch Selbstwert zu gewinnen und Selbstwertgefühle zu verbessern.

Sie haben gesagt: Konkrete Schulprojekte machen solche Erfahrungen möglich. Kann denn auch der klassische Schulalltag mit seinem Fachunterricht dazu beitragen?

Nowak: Ich denke, dass natürlich von der Schulstruktur erst einmal doch auch einige Hindernisse da sind, indem ein 45-Minuten-Modell unterrichtet wird, die Lehrer sind sehr im Stress, hetzen hin und her. Ich kann das ja am eigenen Leib immer wieder nachvollziehen.

Nun haben wir aber nun mal den tagtäglichen Fachunterricht. Also hat der Unternehmergeist schlechte Karten, oder?

Viele Angebote, die wir machen, liegen auch nicht nur im unterrichtlichen Bereich, sondern eben auch im Nachmittags- oder Freizeitbereich oder samstags. Das erfordert wiederum einen motivierten Kollegen oder eine Kollegin, der oder die bereit ist, das zu machen.

Also Sie sagen: Man sollte die starren 45-Minuten-Abläufe des traditionellen Unterrichtsgeschehens durchbrechen. Ist das alles?

Nowak: Eigeninitiative entsteht dann, wenn ich selbst etwas machen kann und nicht, wenn ich etwas konsumiere, wenn ich eine Konsumhaltung, die bei Schülern natürlich auch wie in der Gesamtgesellschaft vorhanden ist, durchbreche. Das heißt, ich muss Gelegenheiten geben, dieses Verhalten zu durchbrechen und die Schüler etwas selbst machen zu lassen. Es gibt ganz, ganz viele methodische Möglichkeiten, wie handlungsorientierten Unterricht, wo man zum Beispiel in Rollenspielen eine große Begeisterung hervorrufen kann. Ich bin zum Beispiel ein großer Planspiel-Fan. Und wenn die dann als Arbeitgeber oder als Haushaltsfachleute oder agieren können, dann merken die auch, was sie selbst davon haben und identifizieren sich mit dieser Rolle. Das geht dann auch richtig emotional zu. Und in dem Moment, wo jemand emotional beteiligt ist, lernen wir ja am meisten, das wissen wir ja.

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