Inhalt

15.11.2016

Thüringer Fachtag „Lernort Schülerfirma: Einblicke in die Praxis“

Messeausstellung, Workshops, Fachbeiträge und Diskussionen – der Fachtag „Lernort Schülerfirma“ am 10. November 2016 in Weimar zeigte so facettenreich wie praxisnah, welche Fähigkeiten und Kompetenzen Kinder und Jugendliche in Schülerfirmen erwerben.

In der Ausstellung präsentierten sich 20 Thüringer Schülerfirmen mit ihren Produkten und stellten sich, ihre Ideen und Arbeitsweisen vor. Beim Gallery Walk kamen die Schülerinnen und Schüler mit Partnern wie Thüringer Unternehmen ins Gespräch. Das Thüringer Nachhaltigkeitszentrum, Öko-Herz e.V., und der Senior Experten Service sowie die Stiftung für Innovation, Forschung und Technologie, Gründungsberater von ThEx Enterprise oder die Thüringer Jugendforen waren mit Ausstellungsständen präsent. Insbesondere für die Schülerinnen und Schüler war das eine Bereicherung. „Wir haben sehr viele tolle Leute hier getroffen und viele Interessierte, denen wir unsere Schülerfirma erklären konnten. Viele haben sich auch unseren Kontakt abfotografiert, um sich auch später mit uns austauschen zu können“, berichtete die Sieben-Klässlerin Charlotte Elisabeth M. aus Jena. Ihre Schülerfirma „Slugworld“ stellt ein biologisch abbaubares Mittel gegen Schnecken her. Nachdem die Schülerin bei Jugend forscht den dritten Platz mit ihrem Anti-Schneckenmittel erreichte, gründete sie ihre Schülerfirma, um das Produkt weiterhin an Mitschüler und Lehrkräfte vertreiben zu können.

Welche Rolle spielt die Mitarbeit in einer Schülerfirma für die Berufsorientierung von Jugendlichen und welche Rolle bei der Wahl des künftigen Ausbildungs- oder Studienplatzes? Dazu diskutierten Lehrkräfte und Partner mit Frau Dr. Birgit Peuker von der TU Dresden. Schule sei inzwischen vergleichsweise lebensweltfern, daher brauche man Formate wie Schülerfirmen, um praxisbezogenes, ganzheitliches Lernen wieder möglich zu machen, so Peuker. Schüler könnten dabei zudem eine andere Rolle einnehmen als im Unterricht und hätten hier Erfolgserlebnisse. „Auf einmal können sie Dreisatz rechnen, denn hier macht das Sinn.“ Das Lernen in Schülerfirmen sei lebenswelt-, situations- und handlungsorientiert. Und: „Es kommen tolle Ideen dabei raus, wenn man die Schüler selber denken lässt“, sagte Peuker. „Man sieht halt mal, wie das echte Leben sein kann“, berichtet Maurice H. von der Schülerfirma „Unser täglich Brot“ aus Mühlhausen.

In vielfältigen Workshops konnten sich die Schülerinnen und Schüler und ihre Lehrkräfte fortbilden, inspirieren lassen und sich untereinander austauschen. Lehrkräfte erörterten, welche Rolle Reflexion in der Schülerfirmenarbeit spielen kann. „Das Verhältnis von Schüler oder Schülerin und Lehrer ist in einer Schülerfirma ein ganz anderes. Und die Verbundenheit mit der Schülerfirma ist groß“, so Christel Zimmermann, pensionierte Lehrerin und nun Senior Expertin, die sechs Jahre lang die Schülerfirma „Voll gesund, voll lecker“ aus Eisenach begleitet hat. Außerdem sei eine Schülerfirma ein sehr geeignetes Format für Inklusion: „Wir haben festgestellt, dass Schüler, die in der Schule nicht so gut waren, ihre Erfolgserlebnisse in der Schülerfirma hatten und hier über sich hinausgewachsen sind und Fähigkeiten zeigten, die man ihnen gar nicht zugetraut hätte.“ In den Workshops „Website-Gestaltung“, „Upcycling“, „Kalkulation und Buchhaltung“ sowie „Snack-Küche“ für Jugendliche thematisierten Partner aus der Praxis Fragen aus der Schülerfirmenarbeit und kreierten gemeinsam mit den Teilnehmenden Wege, Lösungen oder kreative Preis- und Werbeschilder. „Wir haben viele Überreste aus Holz, aus denen wir schon Schlüsselanhänger machen. Hier möchte ich rausfinden, was wir aus den Resten noch herstellen können“, erzählt die 15-jährige Johanna der Schülerfirma „Holzwürmer“ aus Keilau.

Ob Buchhaltung oder Berufsorientierung, Projektmanagement und Marketing – in Schülerfirmen können Kinder und Jugendliche eigene Ideen umsetzen und lebensweltnah lernen. „Wir bieten diese Fachtage an, damit die Schülerfirmen voneinander lernen, neue Impulse erhalten und sich im fachlichen Austausch mit Experten Unterstützung holen können“, erläutert Josefine Pfletscher, Leiterin der Koordinierungsstelle für Schülerfirmen Thüringen der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung.

Wie vielfältig Schülerfirmen wirken und wie Schulen davon profitieren, hat die Koordinierungsstelle in dem Infoblatt „Praxisnahe Berufsorientierung“ festgehalten.

Weitere Informationen: www.fachnetzwerk.net