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Die Idee

Gerade in Krisenzeiten sind Gründerinnen und Gründer von großer Bedeutung

Interview mit Dr. Anna Christmann, Beauftragte des Bundesministeriums für Wirtschaft- und Klimaschutz für Digitale Wirtschaft und Start-ups, zu ihrem Vorsitz bei der Initiative „Unternehmergeist in die Schulen“

Frau Dr. Christmann, Sie haben den Vorsitz der Initiative „Unternehmergeist in die Schulen“ übernommen. Was hat Sie dazu bewogen?
Christmann: Es ist heute wichtiger denn je, unternehmerische Schlüsselkompetenzen bereits in jungen Jahren zu fördern. Junge Menschen wachsen mit allen Facetten der Digitalisierung auf, haben innovative Ideen und sind in der Lage, sich kreativ und schnell auf neue Situationen einzulassen. Die Klimakrise treibt gerade die jüngste Generation im besonderen Maße um. In Schülerfirmen, Businessplanwettbewerben oder in Kooperationsprojekten mit Unternehmen lernen junge Menschen, die Klimakrise durch unternehmerische Lösungen zu adressieren und so Lösungen für eine klimaneutrale Zukunft zu entwickeln. Zudem liegt mir am Herzen, dass schon Schülerinnen und Schüler aus erster Hand Informationen und Erfahrungen aus der realen Gründungs- und Start-up-Szene erhalten, denn gute Beispiele motivieren am nachhaltigsten.

Warum ist eine Vielfalt an Gründungen für uns in Deutschland so wichtig?
Viele junge Menschen, Frauen und Menschen mit Einwanderungsgeschichte gehen den Schritt in die Selbstständigkeit. Gerade in Krisenzeiten sind Gründerinnen und Gründer, die innovative Lösungen probieren, neue Jobs schaffen und damit den Strukturwandel vorantreiben, von großer Bedeutung. Die Perspektiven und die Kreativität, die aus der Zusammenarbeit von Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund und unterschiedlichen Alters entstehen, müssen wir bewusst nutzen und stärker fördern. Denn diese Kreativität brauchen wir, um die ökologisch-soziale Marktwirtschaft zukunftsfest aufzustellen.

Wieso sollten wir in allen Schulformen früh mehr Lust und Neugierde auf Unternehmergeist wecken?
Unternehmergeist wird oft nur mit wirtschaftlichen Aktivitäten und der Gründung von Unternehmen verbunden. Es ist aber viel mehr als das. „Eigeninitiative und Unternehmergeist“ ist eine der acht Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen, die von der Europäischen Union definiert wurden. Diese Kompetenzen wollen wir allen Schülerinnen und Schülern mitgeben. Sie sollen aus ihrer Schullaufbahn die Fähigkeit mitnehmen, Chancen zu erkennen und zu nutzen, Ideen in Handlungen umzusetzen sowie Prozesse zu planen und zu realisieren, um Ziele zu erreichen.

Frau Christmann, nennen Sie uns 3 Gründe für eine unternehmerische Selbstständigkeit
Da fallen mir noch viel mehr Gründe ein! Gründen ist eine Chance, mit der eigenen Geschäftsidee Visionen und Überzeugungen selbst umzusetzen, einen Traum zu leben. Manche können ihr Hobby zum Beruf machen oder mit ihrem Unternehmen oder ihrem Produkt die Gesellschaft nachhaltiger machen. Sie können ihre Ideen verwirklichen und Selbstwirksamkeit erfahren. Auch sind Gründerinnen und Gründer entscheidend, um Innovationen zu entwickeln. Sie bieten neue Dienstleistungen oder Produkte an, die der Markt bisher nicht bietet und sie sind ihre eigenen Chef*innen. Unabhängig vom Erfolg der Unternehmensgründung sammeln Gründerinnen und Gründer wertvolle Erfahrungen. Diese können sowohl für die persönliche Entwicklung als auch für den beruflichen Werdegang nützlich sein.

Welche Akzente wollen Sie während Ihrer „Amtszeit“ setzen?
Die Akzente setzen vor allem die vielen engagierten Lehrkräfte, welche die Projekte mit ihren Schülerinnen und Schülern umsetzen. Ich freue mich sehr darüber, wie gut sie das machen und wie hoch aktuell die Themen sind, die von den jungen Menschen sehr professionell bearbeitet werden. Außerdem freue ich mich, dass Mädchen wie Jungen gleichermaßen teilnehmen und auch die geschäftsführenden Positionen der Schülerfirmen fast ebenso stark mit Mädchen wie mit Jungen besetzt sind. Ich hoffe, dass sich diese Entwicklung in den Führungsetagen der realen Wirtschaft und bei Gründungen fortsetzen wird.

Dr. Anna Christmann wurde 2022 zur Koordinatorin der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt ernannt sowie zur Beauftragten des Bundesministeriums für Wirtschaft- und Klimaschutz für die Digitale Wirtschaft und Start-ups..

Weitere Informationen zur Person auf www.bmwk.de

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