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Aus der Praxis

Wie eine kleine Firma

Alles begann mit einer Computer-Arbeitsgemeinschaft – nun leitet Johann von Wangelin seit anderthalb Jahren erfolgreich die Schülerfirma „ComputerClub Stadtfeld“. Im Interview erzählt der 17-jährige, was die Schülerfirma macht und welche Aufgaben er als Geschäftsführer hat.

Das Gespräch wurde vom RKW Kompetenzzentrum durchgeführt.

Johann, was ist der ComputerClub Stadtfeld und wie ist er entstanden?

Der ComputerClub Stadtfeld ist eine Schülerfirma des Stadtfeld Gymnasiums Wernigerode, die aus einer Arbeitsgemeinschaft (AG) im Rahmen der schulischen Ganztagsbetreuung hervorgegangen ist. In der AG haben wir Computer repariert und uns mit der Schultechnik beschäftigt. Irgendwann kam der betreuende Lehrer auf uns zu und erzählte von dem Konzept der Schülerfirma. Daraufhin haben wir recherchiert und uns informiert, wie das konkret funktioniert und was zu tun ist. Schnell war uns klar, dass wir darauf Lust haben.

Was hat dich persönlich dazu motiviert, die Schülerfirma zu gründen?

Ich bin nicht nur an Technik, sondern auch an wirtschaftlichem Handeln interessiert. Ich kann mir gut vorstellen, später im Management zu arbeiten oder selbst eine Firma zu gründen. Deshalb ist das für mich eine gute Gelegenheit, wirtschaftliches Handeln praktisch zu erfahren. Die Idee, zusammen im Team Umsatz zu generieren, Aufträge an Land zu ziehen, Dienstleistungen anzubieten, also wie eine kleine Firma zu arbeiten, ist einfach reizvoll für mich.

Kannst du mehr zu den Dienstleistungen, die ihr anbietet, erzählen?

Am Anfang haben wir vor allem Reparaturen durchgeführt und uns um das Schulnetzwerk gekümmert. Später haben wir unser Geschäftsfeld erweitert und bieten nun auch Webdesign an. Wir schauen generell immer, wie wir unsere Aktivitäten erweitern können. Vor kurzem haben wir zum Beispiel auch Workshops mit den Lehrern durchgeführt, um sie mit den neuen interaktiven Tafeln der Schule vertraut zu machen. Die Umsätze unserer Firma haben wir bisher immer in die Firma zurückfließen lassen, um so neue Projekte zu finanzieren. Auf diese Art und Weise konnten wir mit neuer Soft- und Hardware experimentieren und unser Wissen erweitern.

Welchen Job übernimmst du in der Schülerfirma?

Ich bin der Geschäftsführer der Schülerfirma, das heißt ich koordiniere das Unternehmen, kommuniziere mit den Abteilungsleitern und bin für Lehrer sowie Externe der Ansprechpartner. Wenn mal Not am Mann ist, springe ich natürlich auch mit ein. Da ich als Gründungsmitglied von Anfang an dabei war, habe ich in allen Abteilungen der Firma Erfahrung und kann überall aushelfen.

Wie kann man sich den Firmenalltag des ComputerClubs vorstellen?

Die unterschiedlichen Aufgaben der Firma werden über ein Ticketsystem bearbeitet: Zunächst werden sie erstellt und einer der vier Abteilungen zugeordnet. Danach nimmt sich ein Mitarbeiter der entsprechenden Abteilung der Aufgabe an und bearbeitet sie. Bei Problemen oder ähnlichem steht der jeweilige Abteilungsleiter bereit, hilft und gibt Rat. Sobald die Aufgabe erledigt ist, schließt der Mitarbeiter die Aufgabe im Ticketsystem. In einem internen „Wiki“ halten wir außerdem alles Wissenswerte wie Anleitungen, Lösungen zu Problemen, aber auch Bestände fest. Das ist unsere Art des Wissensmanagements.

Demnach sind wir hinsichtlich der einzelnen Arbeitsaufgaben relativ unabhängig voneinander. Trotzdem treffen wir uns immer donnerstags in unserer Werkstatt, die wir im Keller der Schule eingerichtet haben. Dort haben wir Ersatzteile, individuelle Computerarbeitsplätze usw.

Was hast du durch die Arbeit in der Schülerfirma gelernt?

Zum einen habe ich natürlich mein technisches aber auch wirtschaftliches Wissen ungemein erweitern können. Heute weiß ich, welche Prozesse in einem Unternehmen ablaufen und auf was man achten muss. Zum anderen habe ich viel darüber gelernt, wie man mit anderen Menschen zusammenarbeitet, sich koordiniert und dass die Standardisierung von Arbeitsabläufen gewinnbringend ist.

Würdest du die Mitarbeit in einer Schülerfirma anderen empfehlen?

Auf jeden Fall. In jedem Unternehmen gibt es so unterschiedliche Aufgaben und Bereiche, da ist für jeden etwas dabei. Eine wichtige Voraussetzung ist allerdings, dass man Lust darauf hat und gerne im Team arbeitet. Wenn man sich außerdem wie ich für Gründungen interessiert, ist so eine Schülerfirma eine gute Möglichkeit, dies ohne Risiko auszuprobieren.

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