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Aus der Praxis

Wir haben in dem letzten Jahr mehr gelernt, als wir uns jemals hätten vorstellen können.

Milan von dem Bussche und Paul Nehme sind das Team von Qi-Tech, einer Schülerfirma aus Oppenheim. Sie gehen dort in die 10. Stufe des St. Katharinen Gymnasiums. Mit ihrer Idee, aus recyceltem Plastikmüll mit einem 3D-Drucker personalisierte Handyhüllen herzustellen, gewannen sie beim Wettbewerb „Jugend gründet“ den ersten Platz.

Das Gespräch wurde vom RKW Kompetenzzentrum durchgeführt.

Milan, Paul, wie seid ihr auf die Idee mit den Handyhüllen gekommen? Hattet ihr von Anfang an das Ziel, etwas im Bereich Nachhaltigkeit zu machen?

Milan: Ich bin auf Malta aufgewachsen und musste erleben, wie sich das Meer zu einem globalen Abfalleimer entwickelte. Jeden Tag häuften sich die angespülten Plastikberge an unserem lokalen Strand. Meine erste Reaktion war, Plastik zu boykottieren. Doch Plastik verfügt über viele nützliche Eigenschaften, die kein anderes Material erfüllt. Zunehmend realisierte ich, Plastik pauschal zu verurteilen, ist nicht die Lösung. Seitdem arbeitete ich an Lösungen, Plastik sinnvoll wiederzuverwerten.

Paul: Ich konnte schon als kleines Kind nie die Finger von Maker-Magazinen lassen. Die unendlichen Möglichkeiten, mit einem 3D-Drucker komplexe Objekte zu produzieren, faszinieren mich – also kaufte ich mir einen. Als dann vor etwa einem Jahr meine Handyhülle zerbrach, beschloss ich, mir einfach eine eigene zu drucken. Begeistert von der Herausforderung, steigerte ich mich immer weiter hinein und stellte Hüllen in verschiedenen Farben und mit meinem Namen her. Hin und wieder verkaufte ich auch Hüllen an Freunde, die auch unbedingt eine personalisierte Hülle haben wollten. Ich stieg um auf „Bio-Plastik“, doch als ich herausfand, dass sich dieses Material nur in hochspezialisierten Industrie-Kompostanlagen bei hohen Temperaturen zersetzt und damit nicht wirklich umweltfreundlicher ist, war ich geschockt, ich suchte nach einer anderen Lösung.

Wie kam es dann schließlich zur Gründung Eurer gemeinsamen Firma?

Auf einem Amerika-Austausch lernten wir beiden uns schließlich kennen und beschlossen, unsere Ideen zu fusionieren. Mit großem Eifer arbeiten wir seitdem daran, personalisierte Handyhüllen aus recyceltem Plastikmüll herzustellen. Dazu haben wir Plastik gesammelt, sortiert, gewaschen, geschreddert, zu 3D-Druck-Filament geschmolzen und schließlich die Handyhüllen ausgedruckt. Nach vielen schlaflosen Nächten, durchbrannten Kabeln und zerstörten Bohrern stand die erste Version unserer Plastik-Schmelze. Nach und nach entwickelte sich unsere Garage zu einer Profiwerkstatt. Wir entwickelten Maschinen, um die verschiedenen Herstellungsschritte zu meistern. Wir modifizierten z.B. einen Schredder, damit wir den Plastikmüll nicht mehr mit Gartenscheren und unserem Küchenmixer zerkleinern müssen. Die Designs der Handyhüllen wurden immer innovativer und die Qualität verbesserten wir laufend.
In unserer Jugendforscht AG unterstützen uns unsere Chemie- und Physik-Lehrer bei allen Fragen und gaben uns wichtiges Feedback zu verschiedenen Konstruktionsideen. Wir beschlossen, unser Projekt auf Instagram und auf einer Website vorzustellen und hatten auf einmal tausende Follower. Vor etwa einem halben Jahr benötigten wir dann mehr Plastikmüll für unsere Testversuche und initiierten mit unseren Mitschülern die verschiedenen Sammelaktionen an unserer Schule. Wir schrieben einen Businessplan und starteten in den Wettbewerb „Jugend gründet“. Die Hochs und Tiefs bei der Entwicklung der Maschinen und in den verschiedenen Wettbewerbsphasen testeten immer wieder unser Durchhaltevermögen. Schließlich empfingen wir die Einladung zum Bundesfinale und konnten viele erfolgreiche Tests mit unserer selbstgebauten Prototyp-Plastikschmelze verzeichnen.

Wie habt ihr euch organisiert, hat jeder seinen eigenen Zuständigkeitsbereich oder macht Ihr alles gemeinsam?

Milan: Grundsätzlich haben wir jeweils einen eigenen Zuständigkeitsbereich. Ich entwickle die Recycling-Maschinen, mache die Öffentlichkeitsarbeit und die Buchführungen. Wir treffen uns grundsätzlich um 15:30 Uhr nach der Schule und „arbeiten“ dann bis abends. Je nachdem, was ansteht, auch bis nachts. Für uns fühlt sich das aber nicht wie arbeiten an. Es ist aufregend, macht Spaß und ist unsere Leidenschaft.

Paul: Ich entwickle die 3D-Modelle und baue unsere 3D-Drucker. Die Zuständigkeitsbereiche sind aber für uns nicht wie Gefängnisse, wir helfen uns häufig gegenseitig oder machen Projekte zusammen. Wir legen größere Ziele fest und auch Zeiten, zu denen wir diese erreichen wollen. Dadurch, dass uns immer bewusst ist, was ansteht und welche Projekte für unsere Firma im Moment wichtig sind, benötigen wir keine kleinteiligen Zeitpläne. Bei uns herrscht eine Start-up-Atmosphäre und dabei stören zu fesselnde Pläne nur.

Was habt ihr bei dieser Projekt-Erfahrung gelernt?

Wir haben in dem letzten Jahr mehr gelernt, als wir uns jemals hätten vorstellen können. Vom Schweißen und Maschinenbau zu Elektronik, Programmierung und 3D-Modellierung. Aber wir haben auch viele betriebswirtschaftliche Kompetenzen erlernt, wie z.B. Buchführung oder wie man Margen ausrechnet.

Ihr habt bei „Jugend gründet“ mitgemacht und mit eurer Firma gewonnen! Herzlichen Glückwunsch! Was war euer Highlight beim Wettbewerb?

Das Bundesfinale war ein unvergessliches Event! Wir hatten vorher Monate lang geprobt und einen riesigen Messestand gebaut. Highlights waren natürlich die Touren durch das Porsche- Ausbildungszentrum, aber vor allem war es cool, andere Jugendliche mit ähnlichen Interessen kennen zu lernen.

Würdet ihr anderen Schülern empfehlen, an „Jugend gründet“ teilzunehmen?

Ja unbedingt! Es ist eine tolle Erfahrung und eine riesige Chance, seine Ideen weiterzuentwickeln und in die Tat umzusetzen.

Milan von dem Bussche und Paul Nehme, Klasse 10 des St. Katharinen Gymnasiums

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