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Aus der Praxis

Wir wollen die Idee weiter voranbringen.

Leon Schug hat im TeamIntLight“ in der Wettbewerbsrunde 2015 bei „Jugend gründet“ teilgenommen. Das 3-köpfige Team wurde bei der Bundessiegerehrung in Wolfsburg mit dem zweiten Platz in der Bundesrepublik ausgezeichnet.

Das Gespräch wurde vom RKW Kompetenzzentrum durchgeführt.

Was war eure Produktidee?

Wir hatten im Fernsehen eine Smart-Home-Werbung gesehen, wo man über eine Handy-App das ganze Haus steuern konnte. Da kam uns die Frage, wieso der Nutzer jedes Mal das Telefon zücken muss, wenn er z.B. das Licht oder die Heizung anschalten möchte. Wir fanden, dass das Ganze besser – also automatisch – gehen sollte.

Dafür muss die Technik wissen, wo sich der Bewohner im Haus aufhält. Eine Ortung per GPS ist nicht möglich, da diese nur funktioniert, wenn eine Sichtverbindung zu mindestens drei Satelliten besteht. Anhand einer neuen Technologie lässt sich nun die Position auch im Haus bestimmen. Dabei werden kleine Bluetooth-Sender installiert, die durchgehend ein Signal aussenden. Damit es klappt, müssen mindestens vier Stück im Haus verteilt sein. Das Smartphone misst die Signalstärke und kann somit seine Entfernung zu den einzelnen Sendern bestimmen. So weiß es, wo es sich mit seinem Träger befindet. Diese Information gibt es an einen zentralen Computer weiter, der per WLAN die Lampen an- und ausschaltet. In der Praxis heißt das: Wenn ich einen Raum betrete, geht das Licht automatisch an, und wenn ich ihn verlasse, automatisch aus. Unser Produkt heißt daher treffend „IntLight“, eine Abkürzung für „Intelligent Light“. Den zentralen Computer haben wir davon abgeleitet „IntMachine“ genannt.

Zunächst beschränken wir uns auf das Licht. Das ganze System ist aber erweiterbar, z.B. auf die Heizung. Damit man nicht immer das Smartphone einstecken muss, ist es denkbar, einen kleinen Clip für die Kleidung zu entwickeln, der dann die Entfernungsmessung zu den Bluetooth-Sendern übernimmt.

Und ihr seid dabei, die Idee tatsächlich zu verwirklichen?

Wir haben aktuell einen recht funktionsfähigen Prototyp, den wir beim „Jugend gründet“-Finale in Wolfsburg bei unserer Präsentation vorgeführt haben. Dort sind dann auch Leute zu uns gekommen und haben direkt gefragt: „Wann kann ich das kaufen?“ Das war eine ganz tolle Bestätigung.

Bei unserem Prototyp haben wir in einem Holzmodell mit drei Räumen die Bluetooth-Sender platziert. Jedes Zimmer ist in einer anderen Farbe angemalt. Legt man das Smartphone in einen Raum, leuchtet das Display in der jeweiligen Farbe, d.h. die Ortung funktioniert. Ebenfalls kann man so das Licht im Raum anschalten. Die App, über die das alles läuft, haben wir selbst programmiert. Ich arbeite nun in anderer Teamkonstellation im Rahmen von „Jugend forscht“ weiter an der Idee – mit dem Ziel, einen voll funktionsfähigen Prototyp zu entwickeln. Dabei sind wir u.a. in engem Dialog mit unserem Informatiklehrer. Wir wollen die Idee weiter voranbringen.

Hat sich die Produktidee im Laufe der Zeit weiterentwickelt?

Vor zwei Monaten haben wir als Teil der Marktanalyse eine Umfrage in unserer Zielgruppe „junge, Technik-interessierte Gut-Verdiener“ durchgeführt. Da kamen interessante Ergebnisse heraus. Personen, die zwischen 60.000 und 110.000 Euro im Jahr verdienen, sind bereit, für ein Produkt wie „IntLightca. 400 Euro auszugeben. Diese Kundengruppe legt besonders Wert auf das Energieeinsparpotenzial. Bei den potenziellen Kunden, die über 110.000 Euro im Jahr verdienen, sind es schon ca. 800 Euro als Preisrahmen. Deren Hauptaugenmerk liegt dann auf dem Komfort. Dadurch ist uns die Idee gekommen, zwei Produkte auf den Markt zu bringen. Also zunächst mit einem besonders nutzerfreundlichen Premiumprodukt zu starten – und dann etwa ein Jahr später ein günstigeres Produkt nachzuschieben, welches voll auf das Energiesparen abzielt.

Wie hoch ist das Energieeinsparpotenzial?

Das ist abhängig von der Haushaltsgröße. Jemand, der alleine wohnt, wird die Kosten für „IntLight“ nicht durch die Energieeinsparung amortisieren können. Ganz anders ist es bei Familien. Kinder lassen des Öfteren das Licht an, wenn sie aus dem Raum gehen. Bei „Jugend forscht“ haben wir dazu eine Testreihe durchgeführt. Über eine Woche gemessen ist das Licht bei Familien im Schnitt zu ca. 30 Prozent der Gesamtlaufzeit unnötig in Betrieb.

Gibt es Tipps, die du als erfahrener Teilnehmer an andere Teams weitergeben kannst?

Meine Eltern sowie die Eltern meiner beiden Teamkolleginnen sind in der Wirtschaft tätig. Die waren – was wir auch sehr zu schätzen wissen – sehr gute Ansprechpartner. Darüber hinaus kann ich empfehlen, sich an die lokale Industrie und Handelskammer zu richten. Die können einem bei betriebswirtschaftlichen Fragen weiterhelfen.

Hast du durch die Teilnahme am Wettbewerb etwas zum Thema Wirtschaft gelernt, was du vorher noch nicht erfahren hattest?

Aus dem Unterricht hatten wir zumindest schon ein Vorwissen, z.B. darüber, welche Rollen und Funktionen oder Rechtsformen es in einem Unternehmen gibt. Auch das Thema Bilanzanalyse – also Kennzahlen, anhand derer man Unternehmen miteinander vergleichen kann – war uns aus den wöchentlichen Meetings mit unserem Lehrercoach bekannt. Und wir hatten in der Schule auch über die Vereinbarkeit von Ökologie und Ökonomie gesprochen.

Durch „Jugend gründet“ haben wir einen noch tieferen Einblick in das Thema Wirtschaft bekommen. Bei der Erstellung des Businessplans haben wir z.B. viel darüber gelernt, wie man eine umfassende Marktanalyse macht. Im Planspiel konnten wir dann betriebswirtschaftliches Handeln erleben. In Summe eine einzigartige Erfahrung, die jedem nur nützlich sein kann.

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