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Aus der Praxis

Ich fand das sofort toll und wollte so schnell wie möglich mitmachen

Dass Schülerfirmen auch an Berufsschulen nicht nur Spaß machen, sondern nachhaltige, positive Effekte haben, berichten die beiden angehenden Chemiker Lennart Zobel und Dennis Wagener im Interview über die „RuhrChemAlytic“.

Das Gespräch wurde vom
RKW Kompetenzzentrum durchgeführt.

Lennart und Dennis, ihr beide macht eine Ausbildung zum chemisch-technischen Assistenten und arbeitet nebenher in der „RuhrChemAlytic“. Was macht diese Schülergenossenschaft?

Dennis: Wir bieten Leistungen im Bereich Wasser- und Schwermetallanalytik, analysieren also für Privatpersonen, Institutionen oder Unternehmen (Wasser-)Proben auf Schwermetalle. Für eine ansässige Brauerei haben wir zum Beispiel schon häufiger das Brau- und Brunnenwasser als externer Anbieter überprüft, demnächst testen wir auch ihr Bier auf Diacetyl, ein Nebenprodukt des Brauereivorgangs, das in einer größeren Menge auf einen Brauereifehler hinweist. Außerdem haben wir eine Kooperation mit den Stadtwerken im Rahmen des Projekts „Bochum bleifrei“. Bochumer Bürger können kostenfrei das Leitungswasser ihres Haushalts auf schädliche Mengen Blei prüfen lassen.

Wie seid ihr zur Genossenschaft gekommen?

Dennis: Zu Beginn der Ausbildung gibt es einen Informationstag, um den Einstieg in die Schule zu erleichtern. Bei diesem wurde auch die RuhrChemAlytic vorgestellt. Ich fand das sofort toll und wollte so schnell wie möglich mitmachen. Als klar war, dass ich das erste Lehrjahr schaffe, bin ich dann eingestiegen.

Lennart: Ich habe die Schülergenossenschaft zwar auch beim Informationstag das erste Mal gesehen, bin aber erst durch einen Schnupperkurs, den die RCA angeboten hat, endgültig überzeugt worden.

Welche Aufgaben habt ihr inne?

Dennis: Wir sind beide im Vorstand der Genossenschaft, das heißt wir leiten die RCA. Dabei arbeiten wir eng mit der Laborleitung und der Buchhaltung zusammen.

Lennart: Außerdem kümmern wir uns darum, dass das, was ein Jahrgang im Laufe des Jahres gelernt hat, an den Nachfolgejahrgang weitergegeben wird und um sonstige Angelegenheiten wie beispielsweise das Spanienprojekt.

Was ist denn das Spanienprojekt?

Lennart: Wir haben eine Austauschschule in Spanien, mit der wir uns jährlich treffen. Dabei bringen die Schüler der beiden Schulen jeweils die Themen ein, mit denen sie sich beschäftigen und stellen diese den anderen Schülern auf Englisch vor. Auf diese Weise lernen wir inhaltlich voneinander, haben aber auch gleichzeitig einen interkulturellen Austausch. Es ist total interessant, angehende Chemiker aus einem anderen Land kennenzulernen und zu erfahren, wie ihr Schul- und Arbeitsalltag gestaltet ist.

Habt ihr mit der RCA auch schon einmal an einem Wettbewerb teilgenommen?

Dennis: Die RCA hat schon an einigen Wettbewerben teilgenommen. Vor Kurzem haben wir beispielsweise für einen Wettbewerb Wasserproben analysiert. Diese haben wir uns selbstständig über unser Netzwerk aus der ganzen Welt organisiert. Zwar sind wir von 560 Teams „nur“ unter die ersten 50 gekommen, sind aber trotzdem stolz darauf, weil wir unheimlich viel gelernt haben.

Welche Erfahrungen konntet ihr denn durch den Wettbewerb, aber auch die Arbeit in der RCA sammeln?

Dennis: In Bezug auf den Wettbewerb kann man sagen, dass man vor allem lernt, ruhig zu bleiben. Dadurch, dass wir nur einen begrenzten Zeitraum zur Bearbeitung des eingereichten Themas hatten, entstand Druck. Wenn man dann allerdings hektisch wird, kommt es zu unnötigen Fehlern. Jetzt weiß ich, wie ich mit Zeitdruck umgehen sollte und wie ich auch in turbulenten Zeiten gelassen bleibe.

Lennart: Genau. Durch den Firmenalltag haben wir zudem gelernt, im Team zusammenzuarbeiten. Das sagt jeder, schon klar. Aber man lernt wirklich, wie man in einem Labor zielführend miteinander an einem Strang zieht. Außerdem hat mir das (praktische) Wissen, das ich durch die Arbeit bei der RCA angesammelt habe, bei meinen Praktika geholfen. Zum Beispiel konnte ich verschiedene Geräte bereits eigenständig bedienen, wusste wie man Proben ansetzt, was man wie analysiert und konnte viele Dinge, die mir erklärt wurden, schneller verstehen, da ich durch die RCA entsprechendes Vorwissen mitbrachte.

Würdet ihr die Mitarbeit in einer Schülerfirma weiterempfehlen?

Lennart: Auf jeden Fall. Durch eine Schülerfirma kann man viel praxisorientierter voneinander lernen. Manchmal ist es auch besser, wenn Schüler sich gegenseitig etwas beibringen. Man hat keinen Notendruck und ist auf einer Ebene. Neben den Laborgeräten und Analysen haben wir auch viele Leute und Firmen kennengelernt. Viele denken bei Chemieunternehmen vor allem an große Firmen wie beispielswese BP oder Bayer. Aber dadurch, dass wir auch Kontakt zu Ehemaligen pflegen, die in vielen unterschiedlichen Firmen arbeiten, erkennt man, welch vielfältigen Optionen man nach der Lehre hat.

Dennis: Genau, das Schaffen eines großen Netzwerks von Hochschulen, Unis, Firmen und Ehemaligen ist auch ein Zweck der Schülergenossenschaft. Auf dieses können wir immer zurückgreifen, wenn wir Fragen oder Probleme haben. Bringt man sich aktiv in das Schülerunternehmen ein, knüpft man hier automatisch wertvolle Kontakte, die sich später zum Beispiel bei der Jobsuche auszahlen.

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