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Aus der Praxis

Neben Fachwissen bekam ich auch eine Vorstellung vom Gründungsdasein und Unternehmertum

Florian Bauer, Hendrik Bandte, Ken Berger und Tim Fischmann sind Schüler der Internatsschule Schloss Hansenberg in Geisenheim. Beim Deutschen Gründerpreis für Schüler waren sie im Bundesfinale vertreten. Im Interview geben sie einen Einblick in ihre Geschäftsidee sowie ihre Erlebnisse.

Das Interview wurde vom RKW Kompetenzzentrum durchgeführt.

Ihr nehmt beim Deutschen Gründerpreis für Schüler teil, was macht Eure Geschäftsidee besonders? Was ist Eure Idee?

Mit unserer Onlineplattform „Yass!“ schaffen wir es, Schülerinnen und Schülern große Zeitersparnisse beim Lernen zu generieren und machen Schule und Freizeit miteinander vereinbar. Die Plattform gliedert sich in drei Teile: einen Lernskriptbereich, einen Kommunikationsbereich und einen Aktivitätenbereich.

Im Lernskriptbereich können Schülerinnen und Schüler jegliche Verschriftlichungen von Wissen hochladen. Die Lernskripte können dann über Thementags von anderen Nutzern gefunden werden. Die hochgeladenen Dokumente kommen vorerst in einen frei zugänglichen Bereich. Hier dient die Bewertung der weiteren Nutzenden als Qualitätssicherung. Viele positive Bewertungen zeigen auch uns die Relevanz des Skriptes, weshalb wir die Dokumente dann von Expertinnen und Experten auf inhaltliche Richtigkeit überprüfen lassen und anschließend in einen kostenpflichtigen Premiumbereich verschieben. Durch diese einzigartige Kombination aus nutzergenerierten Lernskripten und gleichzeitiger Qualitätssicherung erhalten wir langfristig eine große Ansammlung an geprüftem Wissen, auf das unsere Nutzenden zugreifen können. Als Anreiz für die Schülerschaft, ihre Materialien bei uns hochzuladen, bieten wir eine finanzielle Entlohnung, wenn ein hochgeladenes Material den Premiumbereich erreicht.

Mit dem Kommunikationsbereich bekommen die Schülerinnen und Schüler einen Ort geboten, an dem sie sich über gemeinsame Interessen und Projekte austauschen können. Dieser Bereich soll dafür genutzt werden, digitale Zusammenarbeit, zum Beispiel an einem Schülerinnen- und Schülerwettbewerb oder den Austausch über Lerninhalte, zu vereinfachen. Die Plattform kann aber auch als digitaler Pausenhof gesehen werden, auf dem man sich über Privat- und Gruppenchats zu eigenen Interessen ausgetauscht. Außerdem stehen themenspezifische Foren zur Verfügung, in denen die Nutzenden inhaltliche Fragen klären können.

Im Aktivitätenbereich präsentieren wir den Nutzerinnen und Nutzern eine Vielzahl an Freizeitbeschäftigungen, denen sie nachgehen könnten. So stellen wir etwa Schülerinnen- und Schülerwettbewerbe mit allen wichtigen Abgabefristen vor und zeigen Möglichkeiten des Engagements für die Gemeinschaft auf. Auch ermöglichen wir Unternehmen und Universitäten, ihre Ausbildungs- und Studienplätze über uns anzubieten. Besonders Schülerinnen und Schüler aus sozial benachteiligten Familien können so Inspirationen für eine zukunftsorientierte Freizeitgestaltung bekommen und durch Stipendien Zugang zu einem Studium erhalten.

Wie funktioniert bei Euch die Zusammenarbeit im Team? Konzentriert Ihr Euch jeweils auf unterschiedliche Aufgaben und Rollen?

Die Zusammenarbeit in unserem Team hat insgesamt sehr gut funktioniert. Die wichtigsten Aspekte für unsere erfolgreiche Arbeit waren eine regelmäßige, offene und konstruktive Kommunikation, ein respektvoller Umgang miteinander, gleichmäßig verteilte Aufgaben und eine gemeinsame Vision. Wir sind im Laufe des Wettbewerbs zu einem tollen Team zusammengewachsen, und das nicht nur auf einer zwischenmenschlichen Ebene, sondern auch bezogen auf unsere Arbeit. Jeder von uns hatte seine eigenen Aufgabenbereiche, für die er verantwortlich war und die er in gewisser Weise geleitet hat. So konnten wir sicherstellen, dass keine Aufgabe vergessen wurde und jeder gleich ausgelastet war. Die Aufgaben wurden thematisch passend verteilt, bei denen jeder von uns sich mit einem Themengebiet besonders beschäftigt hat und der „Experte“ dazu wurde. Wir haben uns erstmal alleine mit unseren verschiedenen Aufgaben beschäftigt und unsere Erkenntnisse mit dem Team geteilt, wodurch wir unsere Zeit effizient nutzten, alle mitentscheiden konnten und wir optimal gearbeitet haben.

Könnt Ihr durch die Teilnahme am Deutschen Gründerpreis für Schüler Euer Wissen im Bereich Wirtschaft erweitern? Was lernt Ihr dabei?

Definitiv! Die Konkretisierung unserer Idee im Businessplan hat uns quasi dazu gezwungen, uns in den jeweiligen Bereichen alles Nötige anzueignen. Wir haben uns also mit dem Prinzip eines Businessplans im Allgemeinen, mit diversen wirtschaftlichen Modellen, wie dem 4P-Modell oder dem 5-Kräfte-Modell, mit Rechtsformen, Marketing, Markt- und Konkurrenzanalysen, der Finanzplanung eines Unternehmens und vielem mehr beschäftigt. Dabei gab es jeweils einen „Experten“, der sich tief in die Materie eingearbeitet und das Wissen für die Anderen aufgearbeitet hat. So konnten wir gemeinsam fundierte Entscheidungen in allen Bereichen treffen, hatten dabei aber eine enorme Zeitersparnis.

Aber auch in der Wirtschaft ist, wie wir gelernt haben, das Wichtigste das Zwischenmenschliche: Zuerst einmal muss man natürlich die richtigen Leute im Team haben, auch in Form von Coaches und Experten. Ebenso müssen diese Menschen die richtige Einstellung mitbringen und motiviert sein, um schließlich wie eine Einheit zusammenarbeiten. Wir denken, dass Zusammenarbeit in professioneller und zielgerichteter Art und Weise das Wichtigste ist, was man für wirtschaftlichen Erfolg benötigt.

Habt ihr durch die Teilnahme an dem Projekt euch selbst besser kennengelernt? Habt ihr neue Seiten oder Talente an euch entdeckt? Welche sind das?

Florian:
Ich habe in unserer Gruppe die Projektleitung übernommen. Meine Aufgabe dabei war die Kommunikation nach außen. Dabei habe ich natürlich bemerkt, wie essenziell schnelle Rückmeldung und das Pflegen von Kontakten für eine gelingende Kommunikation sind. Hauptsächlich habe ich das Team motiviert und in Tiefphasen zum Durchhalten bewegt. Dass es dabei extrem wichtig ist, auf die anderen zuzugehen und im Zweifelsfall auch mal Aufgaben aus anderen Verantwortungsbereichen zu übernehmen, wo es nötig ist, habe ich dabei gelernt. Vor dem Deutschen Gründerpreis für Schüler wusste ich noch nicht, dass mir das Leiten eines Teams so viel Spaß macht.

Ken:
Die Arbeit mit der Finanzplanung für unser Unternehmen hat mir stark vor Augen geführt, wie wichtig es mir ist, sorgfältig, genau und möglichst stabil begründet zu arbeiten. Es macht mir ziemlich viel Spaß, in Tabellenkalkulationsprogrammen mit Zahlen zu spielen. Das klingt vielleicht erstmal etwas trocken, aber die viele Recherche, die dahintersteht, wenn man Einnahmen und Ausgaben versucht, möglichst realistisch anzusetzen, bringt einem unglaublich viel. Die vielen verschiedenen hochinteressanten Aspekte einer Gründung und die Dynamik der Entwicklung eines Start-ups in den Zahlen zu sehen und mitverfolgen zu können, ist für mich persönlich immer sehr spannend gewesen.

Hendrik:
In dem Projekt habe ich enorm viel gelernt. Als der Verantwortliche für Marketing und als Ersteller unserer Webseite sind das primär die Gebiete, mit denen ich mich beschäftigt habe. Neben Fachwissen bekam ich auch eine Vorstellung vom Gründungsdasein und Unternehmertum. Über mich habe ich gelernt, dass man mit einem Ziel vor Augen fast alles erreichen kann und ich einen mir zuvor unbekannten Fleiß entwickeln konnte.

Tim:
Der Deutsche Gründerpreis für Schüler hat besonders in den letzten drei Tagen vor Abgabe seinen wahren Charakter entfaltet, da wir als Team in diesem Endspurt Tag und Nacht vor, in und nach dem Unterricht an unserem Businessplan geschuftet haben. Letztendlich ein tolles Ergebnis abgegeben zu haben, gibt enormes Selbstvertrauen, aber ich habe vor allem – und zwar auf die harte Tour – gelernt, dass meine „supertollen Zeitpläne“ nur dann etwas bringen, wenn ich sie einhalte. Dieser Wettbewerb hat mir gezeigt, dass ich konsequenter sein muss, aber auch, dass ich konsequent sein kann, wenn es darauf ankommt!

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