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Aus der Praxis

Vor allem eine gute Kommunikation haben wir intensiv gepflegt.

Das RKW Kompetenzzentrum interviewte Jan Philip Böckers und Fabian Wicking vom Siegerteam beim Deutschen Gründerpreis für Schüler im Jahr 2014. Überzeugt hatte das Team „Aequo“ mit einem Businessplan zur Vermarktung eines Besteckaufsatzes für von Parkinson oder altersbedingter Handzittrigkeit betroffene Menschen. Die beiden besuchten zum Zeitpunkt ihres Sieges die 12. Klasse des Heilig-Geist-Gymnasiums der Stadt Aachen.

Darum sind wir dabei: Ziele, Erfahrungen, Erfolgsfaktoren

  • Die Geschäftsidee entwickelte sich aus einer persönlichen Beobachtung. Das Team griff sie sofort auf und wollte etwas erfinden, das betroffenen Menschen hilft.
  • Die Teamarbeit war sehr gut. Das lag sicher daran, dass wir uns nicht fremd waren und die Stärken bzw. Schwächen der anderen bereits kannten.
  • Bei dieser Wettbewerbsrunde hatten wir uns unabhängig von Schule und Lehrern angemeldet. Folglich gab es von dieser Seite keine Hilfen. Aber wir haben uns als Unterstützung einen Coach an Bord geholt.
  • Es ist ein großer Lernerfolg, wenn jeder im Team sich zuerst selbst nach Fehlern kritisch befragt, statt dass der Fehler bei anderen gesucht wird.
  • Das Format des Lernens im Wettbewerb hat einen enormen Praxis- und Selbsterfahrungsanteil. Der ist gerade jetzt in der Abiturzeit hilfreich für weitere Entscheidungen im Leben.

Welche Aufgaben und Fragen habt ihr beim Deutschen Gründerpreis für Schüler bearbeitet?

Jan Philip Böckers: Im Wettbewerb geht es um die Erarbeitung und Verschriftlichung eines stichhaltigen und realisierbaren Businessplans für ein fiktives Unternehmen. Zu Beginn mussten wir uns ein Produkt überlegen. Dann haben wir nach und nach die einzelnen Teile des Businessplans ausgearbeitet. Dazu gehören beispielsweise ein Marketingkonzept sowie ein Vertriebsplan. Um unsere Idee anschaulich zu machen, erstellten wir eine Werbeanzeige.

Fabian Wicking: Unser Ziel war es, das Produkt innerhalb des Businessplans so konkret und realitätsnah wie möglich auszuarbeiten. Theoretisch könnten wir einen Prototyp bauen. Die Skizzen dazu liegen vor. Aus unterschiedlichen Entwürfen und Produktvariationen hat sich diese finale Version herauskristallisiert.

Wie seid ihr auf die Produktidee gekommen und was habt ihr euch einfallen lassen?

Fabian Wicking: Die Idee entwickelte sich aus einer Beobachtung, die eine unserer Teamkolleginnen zufällig in ihrem persönlichen Umfeld im Alltag gemacht hat. Sie hatte auf einer Familienfeier mit Bedauern gesehen, wie einige Senioren wegen zittriger Hände etwas Probleme bei den Mahlzeiten hatten. Dieses Erlebnis schilderte sie uns in einem der ersten Meetings. Das Team griff dies sofort auf und thematisierte die Idee, etwas zu erfinden, was betroffenen Menschen helfen würde, ein Stück Normalität zurückzugewinnen. Unsere Überlegungen über mögliche Lösungsansätze für dieses Anliegen führten schließlich zu einem Aufsatz für Bestecke. In der Theorie sollte dieser helfen, das Zittern der Hände aufzufangen bzw. auszugleichen. Die Konstruktion ist auch für Parkinsonpatienten geeignet.

Jan Philip Böckers: Es gab verschiedene Versionen des Produktes, diese sind durch Veränderungen und Verbesserungen der ersten Ideen entstanden. Input von Experten und auch Fehlschläge haben das Produkt immer wieder verändert. Anfangs sollten die Ausgleichbewegungen des Aufsatzes durch einen kleinen mit einem Messsensor verbunden Motor gesteuert werden. Nach gründlicher Analyse und Hinweise unserer Coaches entpuppte sich eine solche Lösung aber als nicht energieineffizient. Ebenfalls sprachen Vibrationen und das von einem solchen Antrieb erzeugte Summen gegen diesen Motor. Darum entwickelten wir unsere Idee weiter und wechselten auf ein Elektromagneten-System, bei welchem diese Mängel nicht auftreten würden.

Wie war die Zusammenarbeit in eurem Team?

Fabian Wicking: Die war sehr gut. Das lag sicher daran, dass wir Mitglieder uns nicht fremd waren und Stärken bzw. Schwächen der anderen bereits kannten. So konnten Aufgaben passend an die am besten geeigneten Personen vergeben und kritische Momente bewältigt werden. Vor allem eine gute Kommunikation haben wir intensiv gepflegt: Über verschiedenste Medien standen wir stetig in Austausch miteinander. Wir wollten unser volles Potenzial nutzen, dabei haben uns die Erfahrungen aus der vorherigen Wettbewerbsrunde sehr geholfen – wir hatten im Vorjahr schon beim Deutschen Gründerpreis für Schüler teilgenommen. Zeitpläne, Protokolle und Aufgabenlisten haben wir erstellt und streng verfolgt, um den Überblick zu behalten und die Zeit im Team und in Einzelarbeit dieses Mal noch effektiver zu nutzen. Das haben wir im ersten Wettbewerb noch nicht so konsequent verfolgt, umso öfter fanden wir uns damals in wirklich stressigen Situationen wieder.

Jan Philip Böckers: Ja, wir hatten eine gute Teamdynamik: Entscheidungen haben wir immer gemeinsam getroffen, jeder konnte seine Erfahrungen und Meinungen einbringen. Nur ein oder zweimal mussten wir eine Mehrheitsentscheidung tätigen. Wir hatten oft gute und intensive Diskussionen, welche ich zu Beginn unserer Zusammenarbeit eher unbewusst angeleitet habe. So kam ich zu meiner Rolle als Gesprächsleiter und repräsentativer Teamvorsitzender. Generell wurden Aufgaben und Rollen nach Talenten verteilt.

Eben war von einem Coach die Rede. Wie hat er euch geholfen?

Fabian Wicking: Bei dieser Wettbewerbsrunde hatten wir uns unabhängig von Schule und Lehrern angemeldet. Folglich gab es von dieser Seite keine Hilfen. Aber wir haben uns als Unterstützung einen Coach aus einem Medizintechnikunternehmen an Bord geholt. Die Dame beriet uns bei Fragen zur Realisierung, Effizienz und Sinnhaftigkeit unserer Produktideen. Durch sie und ihre Hinweise kamen wir letztlich zum energieeffizienten, leisen und vibrationsarmen Aufsatz. Sie gab uns Informationen über den Medizinmarkt und ermöglichte uns, unser Produkt in ihrem Unternehmen zu präsentieren. Zusätzlich hatten wir uns einen zweiten Coach gesucht, welcher uns in all unseren Meetings und Zusammenkünften zur Seite stand.

Gab es weitere Hilfestellungen, die euch bei eurer Arbeit unterstützt haben?

Fabian Wicking: Das Wirtschaftslexikon für Schüler auf der Internet-Plattform „Unternehmergeist in die Schulen“ des BMWi war uns eine große Hilfe. Dort konnten wir Stichwörter nachschlagen und Kontakt zu einem Ansprechpartner für weitere Hilfestellungen suchen. Wenn man Fragen hat, kann man sich dann direkt an die wenden. Das haben wir auch genutzt.

Was habt ihr in dem Wettbewerb noch gelernt?

Fabian Wicking: Unser Team hat viel mit Feedback gearbeitet, was jedem geholfen hat herauszufinden, wo er oder sie sich noch verbessern könnte bzw. wo eigene Stärken liegen. Unser aller Teamfähigkeit hat hier einen enormen Zuwachs erhalten, ich persönlich konnte in dem Bereich am meisten dazulernen. Kritikfähigkeit, Feedback und Teamfähigkeit sind wichtige Stichwörter für uns beide, die wir einen Einstieg in die Wirtschaft machen wollen. Auch selbstständiges Arbeiten und Zeitmanagement haben wir viel angewendet und zu schätzen gelernt.

Jan Philip Böckers: Dem schließe ich mich an! Auch ich habe mich definitiv besser kennen gelernt. Neue Talente und Seiten von mir habe ich auch entdeckt. Dabei sind Feedback geben und solches annehmen essentiell, da sie eine Reflexion des eigenen Handelns ermöglichen. Das wiederum ist wichtig für ein Team, welches gut zusammenarbeiten möchte. Es ist ein großer Lernerfolg, wenn jeder im Team sich zuerst selbst nach Fehlern kritisch befragt, statt dass der Fehler bei anderen gesucht wird. Und wir entwickelten unsere Präsentationsfähigkeiten weiter: Aus der Schule brachten wir zwar alle einen gewissen Grundstock an Know-how in diesem Bereich mit, bauten diesen jedoch bei unserer Produktpräsentation im Medizintechnikunternehmen entscheidend aus.

Warum habt ihr euch für ein Mitmachen beim Deutschen Gründerpreis für Schüler entschieden?

Fabian Wicking: Für mich gab es bereits im ersten Wettbewerb ein grundsätzliches Interesse an Wirtschaft. Ein weiterer Antrieb war der Mangel an schulischen Möglichkeiten, ökonomisches Wissen wirklich für sich zu erschließen, denn leider haben wir an unserer Schule kein Fach „Wirtschaft“. Wir haben daher im Wettbewerb sehr viel dazugelernt.

Jan Philip Böckers: Richtig. Bei uns beiden gab es bereits im ersten Wettbewerb ein grundsätzliches Interesse an Wirtschaft. Das Interesse wurde im ersten Wettbewerb bestärkt. Zudem bietet das Format des Lernens im Wettbewerb einen enormen Praxis- und Selbsterfahrungsanteil, welcher gerade jetzt in der letzten Abiturzeit hilfreich für weitere Entscheidungen im Leben ist. Was dabei auch entscheidend ist, ist meiner Meinung nach das Klima, welches so ein Wettbewerb mit sich bringt, wenn man ihn freiwillig mitmacht: Man hat einfach Spaß! Spaß am Wettbewerb, Spaß an den Herausforderungen, Spaß im Team.

Würdet ihr anderen Schülerinnen und Schülern eine Teilnahme an einem Entrepreneurship-Education-Projekt empfehlen?

Fabian Wicking: Definitiv würde ich das empfehlen! Jedoch muss man sich darüber im Klaren sein, dass eine ernsthafte Teilnahme viel Arbeit mit sich bringt. Der Aufwand lohnt sich aber in Anbetracht dessen, was man erlebt, mitnimmt und lernt. Man sammelt Erfahrungen aus eigener Hand und kann erste Kontakte knüpfen. Für jeden, der sich mit Wirtschaft und Unternehmensgründung auseinandersetzen möchte, ein guter Beginn.

Jan Philip Böckers: Jeder, der auch nur darüber nachdenkt, sollte teilnehmen. Selbst dann, wenn man nicht so viel Zeit zur Verfügung hat, denn allein die Auseinandersetzung mit den Problemen, den Herausforderungen bietet schon enorme Lernstoffquellen.

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