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Aus der Praxis

business@school ist für mich zu einem Hobby geworden.

Interview mit Vivien Eller, Klasse Q2 (11. Klasse), Internatsschule Schloss Hansenberg; Teamsprecherin von Team Nextar; zweiter Platz im Gesamtwettbewerb des 16. Projektjahres bei business@school, der Bildungsinitiative von The Boston Consulting Group; Gewinner des business@school-Innovationspreises der Deutschen Börse. Team Nextar hat im Rahmen von business@school ein innovatives, mobiles Gerät für den Datenaustausch zwischen Speichermedien entwickelt, genannt „Das dING!“.

Darum bin ich dabei: Ziele, Erfahrungen, Erfolgsfaktoren

  • Bei Jugend gründet wollte ich etwas Neues lernen, was man sonst in der Schule nicht lernt: Wie sieht es denn in der wirklichen Arbeitswelt aus?
  • Für die meisten Teams ist der Zeitdruck das größte Problem.
  • Bei kleineren Problemen (Beispiel: Die Präsentation ist gelöscht) haben wir alle gehandelt und nicht nur der, der den Fehler gemacht hat.
  • Es zählt immer das Ziel. Wir alle wollten im Wettbewerb weiterkommen.
  • Wenn man sich z. B. nicht motivieren kann, sollte man sich ein anderes Team suchen.
  • Ich traue mich jetzt, Leute aus der Wirtschaft einfach anzusprechen ohne zu denken: Ich bin doch nur eine Schülerin.

Welche Aufgaben musstet ihr bei business@school lösen?

business@school läuft ein ganzes Jahr und teilt sich in drei Phasen auf. In der ersten Phase analysiert man ein DAX-Unternehmen. In der zweiten Phase schaut man sich ein Unternehmen aus dem regionalen Umfeld an. Und in der dritten Phase arbeitet man an seiner eigenen Geschäftsidee. Man schreibt dann auch einen Businessplan, der alles umfasst, sowohl die Finanzen als auch das Marketing sowie die Umsetzung des fiktiven Produktes. Es geht auch darum, Kontakt mit Leuten aus der „realen“ Wirtschaft zu knüpfen. Man trifft sich z. B. mit einer Bank und beredet, wie man sein Konzept finanzieren könnte. Der Wettbewerb ist sehr realitätsnah.

Wie seid ihr auf eure Produktidee gekommen?

Die Idee kam uns im Alltag. Ich habe schon bei „Jugend gründet“ die Erfahrung gemacht, dass man die Idee meistens bekommt, wenn man gar nicht aktiv nach ihr sucht. Wir stießen im Schulalltag auf ein Problem, für das wir uns eine Lösung einfallen lassen haben. Die Lehrer wollten Dateien von uns. Wir hatten alle USB-Sticks, aber keiner einen PC griffbereit. Den hätten wir aber benötigt, um die Dateien auszutauschen – es ging also nicht. Unser Produkt „Das dING!“ überträgt Dateien direkt zwischen Wechselspeichermedien. Es ist sehr klein und passt in jede Hosentasche. Im Unterschied zu anderen Methoden wird nichts zwischengespeichert.

Ihr habt an eurer Produktidee weitestgehend eigenständig gearbeitet?

Genau. Herr Rauh, unser Lehrercoach, bietet für alle Wirtschaftswettbewerbe hier an der Schule immer samstags Vorlesungen an – er berichtet z. B. eine Stunde über Zahlen oder über Megatrends der Zukunft. Danach haben wir uns manchmal noch mit ihm unterhalten. Grundsätzlich haben wir aber eigenständig gearbeitet. Bei der Erstellung der Abschlusspräsentation hat er uns mit seinen Tipps und Tricks unterstützt. Wir hatten Kontakt zu zwei Schülern bei uns auf dem Internat, die im letzten Jahr bei business@school mitgemacht hatten. Die waren immer dabei, wenn wir uns mit Herrn Rauh oder einem Coach getroffen haben.

Das Besondere bei business@school ist, dass man als Team für das gesamte Schuljahr eine Person aus einem Unternehmen als Coach gestellt bekommt. Darüber hinaus haben wir eine große Anzahl an weiteren Kontakten geknüpft, z. B. zu einem Business Angel. Diese Kontakte haben wir bekommen, indem wir wirklich viel telefoniert haben, E-Mails geschrieben haben. Herr Rauh hat sich da auch immer mit drum bemüht.

Wie waren die Treffen mit den Coaches?

Das war eine ziemlich schwierige Sache. Also eigentlich am Ende das Schwierigste. Ein Treffen hat immer viel Nachbesprechungszeit gebraucht. Weil man ganz viele Meinungen – oft sehr unterschiedliche Meinungen – zu einem Thema hört. Es war Teamaufgabe, zwischen den unterschiedlichen Meinungen abzuwägen und basierend darauf die für uns richtige Lösung zu entwickeln. Die Coaches haben uns auch Bereiche benannt, in denen wir aus ihrer Sicht etwas verbessern könnten. Nach solchen Treffen haben wir auch immer noch einmal als Gruppe überlegt, ob aus unserer Sicht da wirklich noch etwas anzupassen ist.

Wie war es bei euch im Team – wie war die Zusammenarbeit?

Dadurch, dass wir auf einem Internat sind, kannten wir uns alle schon ziemlich gut. Teilweise haben wir auch schon letztes Jahr zusammen bei Jugend gründet mitgemacht und wussten daher voneinander, wie der andere arbeitet. Wir hatten deswegen keine wirkliche Teamfindungsphase. Wir haben Bereiche aufgeteilt, wer sich um was kümmert. Die haben wir alle drei Phasen lang beibehalten. Der Finanzmensch hat sich um die Zahlen gekümmert, derjenige, der sich um die Wertschöpfungskette kümmert, hat sich meistens darum gekümmert, und ich habe mich auf die Organisation des Teams und das Marketing konzentriert. Somit waren wir am Ende alle gut in unseren Rollen drin. Jeder wusste, was für seinen Bereich am besten ist und was noch optimiert werden kann. Aber die Entscheidung, ob und wie wir es dann tatsächlich machen, die haben wir alle zusammen getroffen. Bei meiner Rolle als Geschäftsführerin und Teamsprecherin ging es mehr darum zu sagen, „jetzt treffen wir uns“ und „jetzt müssen wir X besprechen“. Wir haben immer alle über die Sachen von den anderen drüber geschaut – aber nicht von wegen „wir müssen schauen, ob es denn wirklich gut gemacht ist“ – aber so, dass wir alle einen Einblick in alles hatten. Weil mich natürlich nicht nur das Marketing interessiert, sondern alle Aspekte.

Seid ihr im Verlauf des Projektes auf Schwierigkeiten gestoßen, für die ihr Lösungen finden musstet?

Für die meisten Teams ist der Zeitdruck das größte Problem. Man denkt „wir haben ja noch ein bisschen Zeit“. Aber gerade wenn es darum geht, Leute zu treffen und noch Termine zu organisieren, dann reicht es halt nicht, wenn man sich das erst zwei Tage vorher überlegt. Das war auch – wenn es überhaupt mal eine Diskussion gab – der Grund: das Zeitmanagement. Und natürlich gibt es auch mal kleinere Probleme wie „die Präsentation ist gelöscht“ oder man hat vergessen, das Modell zu machen – solche Sachen. Da haben wir aber kühlen Kopf bewahrt. Wir haben uns einfach zusammengesetzt und überlegt, wie wir das noch schnell lösen können. Da haben wir alle gehandelt und nicht nur der, der den Fehler gemacht hat.

Wie war es über das Jahr hinweg mit der Motivation?

Es zählt immer das Ziel. Wir alle wollten im Wettbewerb weiterkommen. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen. Weil alle hart dafür gearbeitet hatten, reichte oft einfaches Erinnern an das Ziel: „Es ist nicht mehr so viel Zeit, wir haben hart gearbeitet und wollen im Wettbewerb weiterkommen“. Wir fanden auch alle die Produktidee gut und standen voll dahinter.

Warum hast du dich dafür entschieden, bei zwei Entrepreneurship-Education-Projekten mitzumachen?

Bei Jugend gründet war es noch so, dass ich es einfach mal kennenlernen wollte und was Neues lernen wollte, was man sonst nicht in der Schule lernt und wo man einfach irgendwie mehr spürt, was man vielleicht später mal arbeiten könnte. „Wie sieht es denn in der wirklichen Arbeitswelt aus?“. Das andere ist, dass ich immer schon von Selbstständigen ziemlich begeistert war und ich mir das auch für mich selbst wirklich gut vorstellen könnte. Man lernt in diesen Wettbewerben unheimlich viel darüber – und man kann sich dann auch einschätzen „Brauch ich da vielleicht noch einen Finanzmensch, weil ich das doch noch nicht alleine kann?“. Man merkt, was seine Stärken sind und was noch nicht. Für mich ist business@school auch ein Ausgleich zur Schule. Es macht viel Arbeit, aber es macht auch einfach Spaß. Es ist so für mich zu einem Hobby geworden.

Hast du dich durch die Teilnahme persönlich weiterentwickelt?

Ja, vor allem in Bezug auf Organisation und Zeitmanagement habe ich viel gelernt. Aber auch mich zu trauen, Leute aus der Wirtschaft einfach anzusprechen, auf sie zu zugehen und nicht zu denken „Ich bin doch nur eine Schülerin“. Und auch mit dem Team umzugehen, sie immer wieder zu begeistern oder zu akzeptieren, wenn jemand eine andere Meinung hat. Auch einfach mal zurückzustecken. Aber wir hatten in unserem Team nicht wirklich große Diskussionen, weil wir uns gegenseitig vertraut haben.

Was würdest du Schülern raten, die darüber nachdenken, bei einem Entrepreneurship-Education-Projekt mitzumachen?

Zu schauen, ob man wirklich das richtige Team hat. Natürlich kann man sich mit allem arrangieren. Aber wenn man sich z. B. nicht gegenseitig motivieren kann, sollte man sich andere Leute suchen. Man braucht in einem Team auch unterschiedliche Leute, die verschiedene Dinge gut können. Die Präsentationen waren immer das Schönste, wenn man dann zeigen kann, was man gemacht hat. Und es macht einfach viel Spaß, im Team etwas zu entwickeln und zusammenzuarbeiten.

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