Inhalt

Schülerfirma

Umsetzung

Schülerfirmen werden – je nach methodischem Ansatz – in der Unterrichtszeit oder als Arbeitsgemeinschaft in der Freizeit durchgeführt. Viele Konzepte sehen vor, dass das Unternehmen von Schülerteams für einen begrenzten Projektzeitraum (Wochen oder Monate) geführt wird. Es gibt aber auch langjährige Projekte, die von nachfolgenden „Schülergenerationen“ fortgeführt werden. In diesem Fall werden Neulinge von erfahrenen Schülerunternehmern angeleitet.

Schülerfirmen können von schulexternen Partnern durchgeführt werden (z. B. Institute, Verbände, Gründerinitiativen). Dabei übernimmt die Partnerorganisation wesentliche organisatorische Aufgaben und entlastet die beteiligten Schulen.

Zu den Projekten:

business@school
Jugend gründet
JUNIOR
Achievers International
Wege finden
Netzwerk Berliner Schülerfirmen

Viele Schülerfirmen werden von Unternehmerinnen oder Unternehmern als beratende Paten unterstützt. Kontakte zu Unternehmen lassen sich leicht über die Industrie- und Handelskammern (IHKs) oder Handwerkskammern (HWKs) vor Ort knüpfen.

Viele Lehrerinnen und Lehrer haben immer wieder ähnliche Fragen rund um die Betreuung von Schülerfirmen: Muss man eine Schülerfirma beim Finanzamt anmelden? Kann man die Haftung ausschließen? Welche Steuern muss eine Schülerfirma zahlen? Die ifex - Initiative für Existenzgründungen und Unternehmensnachfolge des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg - bietet auf häufige Frage praxisnahe Antworten. Darüber hinaus hat sich bei Betreuerinnen und Betreuern in den vergangenen Jahren eine Fülle von Erfahrungen angesammelt: Wir haben sie ermittelt und eine Liste von „Praxistipps“ aufbereitet (s. Service – Arbeitshilfen).

Aufgaben des schulischen Betreuers

Betreuende Lehrerinnen und Lehrer von Schülerfirmen müssen neben pädagogischen auch betriebswirtschaftliche Kompetenzen besitzen. Ihre besondere pädagogische Aufgabe ist, sich überflüssig zu machen, Schülerinnen und Schülern zu helfen, ihre Firma möglichst ohne ihre Hilfe zu führen. Das kann Schritt für Schritt geschehen: Während Sie bei der Entwicklung der Geschäftsidee, der Konzepterstellung und Überprüfung, ob das Konzept realisierbar ist, noch aktiv anleiten und führen, ist im weiteren Verlauf die Fähigkeit, einen Schritt zurücktreten zu können, gefragt. Betreuer nehmen schließlich die Rolle eines betriebswirtschaftlichen Beraters bei allen anstehenden Aufgaben (z. B. Auftragsbeschaffung, Finanzplanung, Controlling, Kundenbetreuung) oder auch Coaches ein, der z. B. Hinweise auf eventuelle Risiken gibt.

Dabei müssen betreuende Lehrerinnen und Lehrer nicht nur das eigene Rollenmuster überwinden, bei anstehenden Problemen sofort Lösungen anzubieten, sondern auch die Unsicherheiten bei Schülerinnen und Schülern akzeptieren und sich pädagogisch zu Nutze machen. Hintergrund: Die gezielte pädagogische Zurückhaltung – verglichen mit der "normalen" Unterrichtssituation – empfinden Schülerinnen und Schüler zuweilen als mangelnde Unterstützung. Auf keinen Fall sollte die betreuende Lehrerin oder der betreuende Lehrer versuchen, die Geschäftsführerrolle in der Schülerfirma zu übernehmen.

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Unterstützung durch die Schulleitung

Projekte wie Schülerfirmen brauchen die tatkräftige Unterstützung der Schulleitung. Da sie mit einigem Aufwand an Zeit und Engagement aller Beteiligten verbunden sind, müssen sie mit den schulischen Pflichten und Zeitplanungen so gut wie möglich in Einklang gebracht werden. Zudem sollte die Schulleitung

  • für Würdigung und Anerkennung des Engagements der betreuenden Lehrerinnen und Lehrer (auf Dienstbesprechungen, Konferenzen, schulischen Veranstaltungen) sorgen;
  • Schülerfirmen in ins Schulkonzept und -profil sowie in die Konzepte zur Berufsorientierung einbinden;
  • Schülerfirmen als Schulprojekte anerkennen;
  • Anreize zur Teilnahme an Schülerfirmen (z. B. Zeugnisvermerk zu Tätigkeit in der Schülerfirma) schaffen;
  • geeignete Rahmenbedingungen (Räumlichkeiten, Bürogrundausstattung, Ermäßigungsstunden für betreuende Lehrerinnen und Lehrer usw.) schaffen;
  • für eine Repräsentation der Schülerfirmen nach außen (Link auf Schul-Homepage, gegenüber der Presse usw.) sorgen.

 

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Praxistipps

Besondere Erfolgsfaktoren

  • Lassen Sie Ihre Schülerinnen und Schüler von Anfang an gestalten (Geschäftsidee, Planung, Organisation usw.).
  • Unterstützen Sie Schülerinnen und Schüler darin, bei auftauchenden Fragen und Problemen selbst nach Lösungen zu suchen. 
  • Verändern Sie Ihre Rolle als Lehrerin oder Lehrer. Spielen Sie eine begleitende Rolle. Sie sollten keine Antwortmaschine sein, sondern bei Fragen Kontakte zu Fachleuten vermitteln (Coach statt Kapitän).
  • Überlassen Sie die Hauptverantwortung für die Schülerfirma Ihren Schülerinnen und Schülern.
  • Halten Sie Abmachungen schriftlich fest (nachweislich und verbindlich).
  • Lassen Sie sich durch externe Partner aus der Wirtschaft (z. B. ortsansässige Unternehmen) unterstützen (z. B. Umgang mit Kunden, Marketing, Buchhaltung).
  • Vermitteln Vermitteln Sie einen Kooperationsvertrag zwischen Schülerfirma und Schulleitung.
  • Nutzen Sie externe Beratungsangebote (z. B. durch die Industrie- und Handelskammer).
  • Tauschen Sie Erfahrungen mit anderen Schülerfirmenbegleiter/innen aus.
  • Sorgen Sie für Räume (Büro-/Arbeitsraum, Lager, Platz für Verkaufsstand) für die Schülerfirmen-Arbeit.

Organisation des Schulalltags

  • Planen Sie genügend Zeit ein (für Absprachen sind die Pausen meist zu kurz).
  • Binden Sie die Arbeit der Schülerfirma – wo immer es geht – in den Fachunterricht ein.
  • Bilden Sie Schülerinnen und Schüler zu Tutoren heran, die später jüngere Schülerinnen und Schüler anleiten und betreuen (und auf diese Weise Lehrerinnen und Lehrer entlasten).
  • Binden Sie Fachlehrer anderer, passender Unterrichtfächer in die Betreuung von Schülerfirmen ein (z. B. Unterrichtsfach: Kunst zur Flyergestaltung; Unterrichtsfach Informatikunterricht zur Webseitengestaltung).
  • Binden Sie Schülerfirmen in Schulaktivitäten ein (z. B. Catering für das Schulfest durch Catering-Schülerfirma).
  • Suchen Sie Verbündete auf allen schulischen Ebenen.
  • Die Teilnahme an Schülerfirmen sollte (positiv) bewertet werden.
  • Die Teilnahme an Schülerfirmen sollte ins Zeugnis aufgenommen werden.
  • Die Teilnahme an Schülerfirmen könnte als Ersatz z. B. für mündliche Prüfung oder Klausur akzeptiert werden.

Quellen: Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS); JUNIOR; Servicestelle-Schülerfirmen bei kobra.net; Schüler- und Juniorfirmen Beratungsstelle c/o IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg; TheoPrax Zentrum, Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie

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