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Lehrerforum Berlin 24. bis 25. Mai 2013

Deutsches Flieger-As im 1. Weltkrieg mit vier Buchstaben? Udet. Stimmt. Jeder kennt ihn vom Kreuzworträtsel. Kaum einer weiß dagegen, wo Ernst Udet begraben wurde: auf dem Berliner Invalidenfriedhof nämlich. Der ist heute ein „ruhiger Nachbar“ des Bundeswirtschaftsministeriums, Zeugnis der preußischen und deutschen Militärgeschichte und Erinnerungsstätte an die deutschen Befreiungskriege im 19. Jahrhundert. Den Friedhof besichtigen konnten die rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Lehrerforums im Mai 2013 zum Thema „Unternehmergeist in die Schulen“. Es fand wieder in den Räumen des Bundeswirtschaftsministeriums statt. Die kostenfreien Foren sind ein Baustein der Initiative „Unternehmergeist in die Schulen“, die das BMWi ins Leben gerufen hat.

Unternehmer sein kann man lernen

Unternehmergeist erfordere zuallererst eines: Nicht die Dinge auf morgen zu verschieben, sondern sie sofort anzupacken. Dieses stellte Prof. Ewald Mittelstädt zu Beginn seines Eröffnungsvortrags fest. Gemeint sind dabei sich bietende unternehmerische Chancen. Die nämlich erkennt ein Entrepreneur und ergreift sie – trotz aller Unwägbarkeiten – beim Schopf. Weil er das – im Gegensatz zum Nicht-Entrepreneur – will. Darum setze, so Prof. Mittelstädt, Gründungserziehung bei diesem Wollen an. Um dann erst, wenn man ein konkretes Vorhaben auf den Weg bringe, das notwenige unternehmerische Know-how, das Können, einzuüben. Eine Geschäftsidee in die Tat umzusetzen, sei dabei nach den Erkenntnissen der Entrepreneurship-Forschung die Sache von Menschen, die z. B. kommunikationsfähig, risikobereit oder kreativ seien. Allesamt Persönlichkeitsmerkmale, die nicht etwa angeboren sein müssten, so Prof. Mittelstädt. „Auf diese Eigenschaften kann man durch Bildungsprozesse einwirken. Das ist die gute Nachricht der Entrepreneurship-Forschung.“

Audio-Beitrag „Unternehmer sein kann man lernen“:

Skript zum Audio-Beitrag „Unternehmer sein kann man lernen“ (PDF, 30 KB)

Unternehmergeist-Input live und vor Ort

Entrepreneurship lässt sich also lernen. Wie dabei an der Heinz-Brandt-Schule in Berlin bei einschlägigen Projekten so viel Unternehmergeist wie möglich herausspringt, berichtete deren Leiterin Miriam Pech. Hier sollen auch die Lehrerinnen und Lehrer mehr darüber erfahren, was es heißt, ein Unternehmen zu führen. Miriam Pech: „Eigentlich haben wir nach unserem Studium von Unternehmen und Wirtschaft wenig Ahnung. Darum sind wir z. B. Mitglied im Wirtschaftskreis Pankow. Da gehe ich einmal im Monat zum Stammtisch. Ab dem nächsten Schuljahr werden meine Lehrkräfte ein Praktikum in Unternehmen absolvieren, um ihre Kenntnisse zu vertiefen. Und um dieses live und vor Ort zu erwerben.“

Begrüßen Sie doch mal jemanden, den Sie noch nicht kennen

Lernen kann man natürlich auch von Kollegen. Einen solchen Erfahrungsaustausch wünschen sich übrigens die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer der BMWi-Lehrerforen. Damit dieser Wunsch in Erfüllung geht, brachte der Moderator Frank Liffers die Anwesenden erst einmal miteinander in Kontakt. „Die Damen und Herren in der ersten, dritten und fünften Reihe drehen sich bitte mal um. Begrüßen Sie Ihren Hintermann per Handschlag. Stellen Sie sich vor. Und gehen Sie danach gemeinsam einen Kaffee trinken.“ Eine Teilnehmer-Reaktion von vielen: „Ich habe viele neue Leute kennengelernt. Und es war spannend.“ Na also.

Unternehmerbefragung: Wie tickt ein Unternehmer?

Matti Niebelschütz, Gründer der MyParfuem GmbH, Sven Wedig, Chef von 4u2play GmbH sowie Gordian Overschmidt von der ZENDOME GmbH (von der Berliner Initiative „Ich mache mich selbständig“) standen einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern der Louise-Henriette-Oberschule aus Berlin Rede und Antwort. Begleitet wurden sie von ihrem Lehrer Dieter Radde. Er hatte seine „Pappenheimer“ auf diese Unternehmer-Befragung ausführlich vorbereitet. Ihre letzte Frage lautete: Gibt es Momente, in denen Sie denken: Wäre ich doch nur nicht selbständig geworden?

Sven Wedig: „Nein. Ich bin total gerne Unternehmer, weil ich entscheiden und Dinge bewegen kann, ohne durch fünf oder sechs Instanzen gehen oder mit einem Lenkungsausschuss diskutieren zu müssen. Ich kann einfach machen. Das ist der Drive, der dann Bock macht.“

Matti Niebelschütz: „Da schließe ich mich an. Ich habe nie in einem Angestelltenverhältnis gearbeitet, kann es mir auch, ehrlich gesagt, nicht mehr vorstellen. Man ist wirklich frei, man ist für sein eigenes Leben verantwortlich. Man ist auch für das Leben von sehr vielen anderen Menschen verantwortlich. Die Verantwortung ist manchmal eine sehr große Last. Aber solange man sich seine Freiheit vor Augen hält, ist es einfach das Größte, was es gibt.“

Gordian Overschmidt:Okay, stimmt alles. Aber es gibt auch Situationen, in denen man z. B. nicht weiß, woher man das Geld nehmen soll, um fällige Lieferantenrechnungen zu begleichen, weil Kunden nicht rechtzeitig bezahlen: Dann hat man das Theater eben an der Backe. Grundsätzlich würde ich aber nichts anderes machen wollen als das, was ich jetzt mache – definitiv.“

Learning by doing

Schwerpunkt des Praxisvormittags am Samstagmorgen waren schließlich Workshops mit Einführungen und Trainings einiger Initiativen des Initiativkreises „Unternehmergeist in die Schulen“: Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Deutscher Gründerpreis für Schüler, Jugend gründet, JUNIOR, NFTE (Network For Teaching Entrepreneurship) sowie TheoPrax.

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